Glaube und Säkularismus heute

500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag lädt das Freiblickinstitut im Rahmen des „Battle of Ideas Europe“ zur Diskussion.

Datum: 31 Oktober 2017

Zeit: 17:45 bis 21:00

Ort: theaterforum Kreuzberg, Eisenbahnstraße 21, 10997 Berlin

Session 1: Ist Luther noch wichtig? Religiöses Gewissen und individuelle Freiheit im 21. Jahrhundert

Zeit: 17.45 Uhr – 19.15 Uhr

 

Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg genagelt und damit unwissentlich einen Prozess in Gang gesetzt haben, der Europa, wie wir es heute kennen, in großen Teilen prägte. Hat die Reformation, gegen den Willen ihrer Begründer, den Weg für die säkulare Moderne geebnet? War die Reformation Auslöser eines gewachsenen Bewusstseins für religiöse Toleranz oder müssen wir in ihr nur die Ursache für Spaltung und Religionskriege sehen? Gibt es Parallelen zwischen der Frage, wie wir heute mit Hassrede im Internet umgehen und der gewalttätigen Sprache Luthers gegen Türken und Juden?

Manche Kommentatoren sehen sogar die Proteste der AfD in der Tradition des religiösen Sektierertums. Ironischerweise sind es heute oft Einwanderer, die sich um Religion kümmern und damit auch die wichtige Frage des Schutzes des religiösen Gewissens aufwerfen. Gibt es in der Reformation eine Botschaft, die sich auf zeitgenössische Ausdrucksformen des individuellen Glaubens bezieht - etwa das muslimische Kopftuch oder gar die Burka?

Die offiziellen Feiern der Reformation verlaufen so ökumenisch und offen, dass manche Kritiker meinen, sie grenzten gar an das Banale. Sind die Feierlichkeiten symptomatisch für eine Gesellschaft, die nicht mehr an den Kampf um Wahrheit und Überzeugung glaubt? Oder zeigen sie, dass Europa dazu gelernt hat und endlich das religiöse Sektierertum abschütteln konnte?

Die Reformation war weit mehr als Luthers 95 Thesen, wie der berühmte Diskurs über den freien Willen zwischen Martin Luther und Erasmus von Rotterdam zeigt. Was können wir also in unserer „multikulturellen" Zeit lernen, wenn wir über die Reformation nachdenken? Was bedeutet individuelles Gewissen und freier Wille heute und welchen Wert sollten wir ihnen beimessen?

 

Podium

  • Professor Joe Friggieri, Professor der Philosophie, Universität Malta; Dichter, Dramatiker und Theaterregisseur
  • Pauline Hadaway, Schrifstellerin (Autorin von: Re-imagining Titanic, re-imaging Belfast und Policing the Public Gaze)
  • Alan Posener, Journalist und Autor, ehemals Kommentarchef Welt am Sonntag (Autor von: Benedikts Kreuzzug: Der Angriff des Vatikans auf die moderne Gesellschaft)
  • Dr. Andreas Rauhut, Vikar der Evangelischen Landeskirche, Berlin-Brandenburg, wissenschaftl. Mitarbeiter am Institut für Philosophie der Universität Johannesburg, Südafrika

 

Veranstaltungssprache: Englisch!

 

Weitere Informationen: www.battleofideas.org.uk/session/does-luther-still-matter-religious-conscience-and-individual-liberty/

 

 

Session 2: Wahrheit, Fiktion und Glaube in säkularen Zeiten

Zeit: 19.30 Uhr – 21.00 Uhr


Was ist die Wahrheit? Die Frage, was wir glauben sollten, ist schwieriger geworden, wie die Debatten über "Fake News“ und "Lügenpresse" zeigen. Obwohl unsere Gesellschaft offener und aufgeklärter ist, können wir nicht behaupten, Ängste und Vorurteile überwunden zu haben. Die moderne Wissenschaft hat viele der rückständigsten Ideologien diskreditiert. Wir sind nicht mehr auf ein paar Zeitungen oder eine begrenzte Anzahl von Büchern (oder auch nur die Bibel) angewiesen, um der Welt einen Sinn zu geben. Aber diese neue Freiheit geht mit Unsicherheiten einher.

Manche sprechen von einer "Informationsschwemme", die uns verunsichert. Ist unsere Welt gefährlicher geworden, oder sind wir über mögliche Gefahren nur besser informiert als die Generation unserer Eltern? Hinzu kommt das Problem widersprüchlicher Informationen. Die Wissenschaft bietet uns viele wertvolle Einblicke. Aber wer sein Leben nach den Empfehlungen der Wissenschaft organisieren möchte, stößt schnell auf Probleme. Ist Kaffee gut für uns oder nicht? Welcher Erziehungsstil ist für die Entwicklung eines Kindes am besten? Es wäre auch naiv zu glauben, dass alle Beweise, die uns vorgelegt werden, wahr sind. Im April hat Die Zeit einen interessanten Artikel mit dem Titel: Statistiken: Kann das stimmen? veröffentlicht. Der Beitrag enthüllt einige der statistischen Lügen oder Halbwahrheiten, die der deutschen Öffentlichkeit in den letzten Jahren präsentiert wurden. Dazu gehören Zahlen über Prostituierte, durch Computer ersetzte Jobs, getötete Patienten, Menschen, die in Armut leben, oder andere, die auf das Autofahren verzichten wollen.

Trotz aller Beweise und Informationen, die uns zur Verfügung stehen, müssen wir Entscheidungen anhand unserer eigenen rationalen Reflexionen treffen, die Sachkenntnis und moralische Überlegungen in sich vereinen. Kann uns ein "Faktencheck" helfen oder ist die Obsession mit Beweisen fehl am Platze, weil sie zu einer ständigen Neuinterpretation der Statistik führt? Manchmal heißt es, es gäbe keine Wahrheiten mehr, aber führt das nicht zu einer orientierungslosen Gesellschaft?

 

Podium:

  • Dave Bowden, Fellow, Institute of Ideas, London
  • Tillmann Prüfer, Redakteur des Zeit-Magazins
  • Christopher Snowdon, Leiter der Lifestyle-Wirtschaftswissenschaften, Institute of Economic Affairs; Redakteur, Nanny State Index; Autor von Selfishness, Greed and Capitalism
  • Nadja Vancauwenberghe, Herausgeberin Exberliner, Berlin
  • Dr. Theresa Züger, Assoziierte Forscherin: Globaler Konstitutionalismus und das Internet, Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

 

Veranstaltungssprache: Englisch!

 

Weitere Informationen: www.battleofideas.org.uk/session/truth-fiction-and-belief-in-secular-times/

 

 

Kooperationspartner:

 

   

Freiblickinstitut e.V., www.freiblickinstitut.de, Kontakt: Sabine Beppler-Spahl, bepplerspahlfreiblickinstitutde, Tel: 030 4409292

Die Veranstaltungen werden vom Freiblickinstitut e.V. in Berlin in Partnerschaft mit dem Institute of Ideas in London organisiert. Sie sind Teil des internationalen Debattenfestivals, „Battle of Ideas“, das am 28/29.10.2017 im Barbican Centre in London stattfindet.