Sind wir zu konservativ?

Erleben wir eine Renaissance des Konservativismus, oder bloß des gesunden Menschenverstandes? Sind Vorsicht und Mäßigung begrüßenswert, oder sollten wir experimentierfreudiger (und vielleicht rebellischer) sein? Das Freiblickinstitut lädt zur Debatte.

Datum: 25 Februar 2016

Zeit: 19:30

Ort: BiTS Hochschule, Bernburger Straße 31, 10963 Berlin, nahe Potsdamer Platz

Die Kleinkariertheit  früherer Zeiten scheint überwunden. Weder gilt vorehelicher Sex als sündig, noch der sonntägliche Kirchenbesuch als obligatorisch. Das Verhältnis zwischen den Generationen ist lockerer geworden. Auch die Akzeptanz weiterer tiefgreifender Veränderungen (z.B. der Neudefinition der Ehe) scheint für unsere Offenheit zu sprechen. Eine selbstbewusste gesellschaftliche Kraft ist der klassische Konservatismus schon lange nicht mehr.  

Technologische Neuerungen (z.B. in der Biotechnologie) rufen jedoch oft Mistrauen hervor. Planungen für ambitionierte Großprojekte (vom Wohnungsbau auf dem Tempelhofer Feld  bis zur Ausrichtung der Olympischen Spiele) lösen bei vielen eher Ängste als Begeisterung aus. Unsere Toleranz erscheint oft selektiv. Neben ‚Refugees Welcome‘ Transparenten findet man den Slogan ‚No more Rollkoffer‘, mit dem sich fortschrittlich-alternative Kreuzberger gegen als bedrohlich empfundene Touristenströme wenden.

Von linken Globalisierungsgegnern bis katholischen Geistlichen herrscht der Konsens, dass Konsum und Materialismus uns von den ‚wirklich wichtigen‘ Dingen entfremden. Viele sehnen sich nach einem einfacheren Leben. Dabei ist ein Rückzug ins Private zu beobachten. Individualistische Beschäftigung mit dem eigenen geistigen Wohlbefinden, Gesundheits- und Lebensstilfragen scheint allgemeinere politische Ziele und die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Institutionen zu verdrängen.   

Bei aller Sympathie für linksalternative Glaubenssätze, Revoluzzer sind wir nicht. Gerade junge Menschen legen Wert auf Gesetz und Ordnung. Fleiß, Ehrgeiz und ein sicherer Arbeitsplatz gelten als wichtig. [1] Erleben wir eine Renaissance des Konservativismus, oder bloß des gesunden Menschenverstandes? Sind Vorsicht und Mäßigung begrüßenswert, oder sollten wir experimentierfreudiger (und vielleicht rebellischer) sein? Das Freiblickinstitut lädt zur Debatte.


Redner

Christoph Brzezinski (Landesvorsitzender Berlin, Junge Union)
Michael Miersch (Publizist; Wissenschaftsautor; Dokumentarfilmer)
Kai Rogusch (Jurist; Ressortleiter "Recht und Freiheit", NovoArgumente)
Peter Siller, Leiter der Inlandsabteilung, Heinrich-Böll-Stiftung

 

[1] 17. Shell Jugendstudie (2015).